Von der Felsentaube bis zur Straßentaube

Tauben, gleich ob verwilderte Straßentauben, Rassetauben oder Brieftauben, gehören zu den ältesten Haustieren, die der Mensch einst domestizierte. Wie andere domestizierte Tierarten, so versinnbildlichen auch Haustauben ein Kulturgut der Menschheit. Ein Taubenzüchter kann somit mit Fug und Recht von sich behaupten, nicht nur einem Hobby nachzugehen, sondern ganz nebenbei noch etwas für die Erhaltung eines Kulturgutes zu tun.

Doch Taube ist nicht gleich Taube. Allgemein werden Tauben von Ornithologen mit dem lateinischen Namen Columbidae bezeichnet. Sie sind jedoch eine sehr artenreiche Vogelfamilie, welche über 300 Arten von Wildtauben umfasst. Alle heutigen Brieftauben, Rassetauben, Straßentauben und Sporttauben stammen nur von einer einzigen wildlebenden Taubenart ab, der Felsentaube. Erst der Mensch züchte aus der Felsentaube die unterschiedlichsten Farbschläge und Rassen, deren Anzahl heute auf über 800 geschätzt wird.

Anders als bei vielen Arten von anderen Haustieren, so hatte der Mensch gegenüber Tauben schon immer eine besondere Einstellung. Während heutige Straßentauben gelegentlich als Ratten der Lüfte bezeichnet werden, wurden sie im Altertum den Göttern als Opfertiere dargebracht oder für Liebesboten gehalten. Es gab für die Menschen in früheren Jahrtausenden gute Gründe, die für ihre positive Einstellung gegenüber den Tauben sprachen. Ein Grund lag sicherlich im zarten und schmackhaften Fleisch der Tauben, welches als Speise auf den Tischen von Bauern ebenso zu finden war, wie auf den Tischen des Adels. Als ein weiterer Grund kann die in der Regel ein Leben lang anhaltende Einehe von Tauben betrachtet werde, so wie ihre Eignung zur Beförderung von Luftpost. Eine Fähigkeit, die bereits die Feldherren in der Antike zu nutzen wussten.

Aus der Sichtweise des Menschen, sind Tauben recht fürsorgliche Eltern, bebrüten sie doch ihr Gelege, welches in der Regel aus ein bis zwei Eiern besteht, abwechselnd gemeinsam. Nach dem Schlupf der jungen Nesthocker, übernehmen beide Altvögel die Fütterung. Zu diesem Zwecke bereiten sie in ihrem Kropf die so benannte Taubenmilch bzw. Kropfmilch auf, die äußert nahrhaft ist. Nach wissenschaftlichen Studien soll allen der Fettanteil der Kropfmilch bei etwa zehn Prozent liegen. Wie nahrhaft diese Taubenmilch ist, lässt sich unter anderem auch daran erkennen, dass die Jungvögel täglich so viel an Masse und Gewicht zulegen, um nach rund vier Wochen flügge zu sein.

Wenn Haustauben zu Straßentauben verwildern, so gehen die Meinungen der Menschen über diese gefiederten Gesellen recht weit auseinander. Für einige Gebäudeeigentümer und Stadtväter stellt es nicht ganz zu Unrecht ein großes Ärgernis dar, wenn frisch sanierte Fassaden und Denkmale mit Taubenkot bekleckert werden. Die Mär von der ätzendenden Wirkung des Taubenkotes auf Fassaden, die kann der Leser hingegen in das Reich der Fantasie verschieben. Noch nie wurde zumindest bekannt, dass ein Taubenschlag wegen ätzenden Taubenkotes in seiner Substanz geschädigt wurde. So füttern Taubenfreunde und andere Tierliebhaber in großen Städten weiterhin Tauben auf öffentlichen Plätzen und das ganz ohne schlechtem Gewissen.


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Der Artikel Von der Felsentaube bis zur Straßentaube in der Kategorie Umwelt / Natur, wurde am 26.09.2008 um 21:25 Uhr geschrieben und vom Autor Horst Müller redaktionheim-und-haustiere.de verfasst.